Der Stärkere mampft
Mai 7th, 2011 § 1 Kommentar
So kann das ja nichts werden. Da findet ein Paradebeispiel an natürlicher Selektion statt und ich muss es auch noch am eigenen Leib erfahren.
Monatelang dümpelte dieses Blog im seichten Gewässer vor sich hin, als ich mich in frühlingseuphorischem Leichtsinn endlich entschloss, eine Runderneuerung zu starten. Neues Kleid, neue Ideen, neues Parfum, neue Ohrringe, neue Schuhe, neue….
…äh, wo bin ich stehengeblieben? Ach ja: SO LEICHT IST DAS ABER NICHT!
Zwischen theoretischer Zielerfassung und bestaunbarem Ist-Zustand haben sich viele überengagierte Stöcke in den Kamikazeeinsatz geworfen. Hätten sie geahnt, dass ich erst Kleinholz aus ihnen mache und sie dann in Form von Streichhölzchen an Kindergärten verkaufe, wo sie mit klebrigen Fingern erst zerbrochen und dann zu anatomisch aberwitzig dimensionierten Krüppelmännchen wieder zusammengepappt werden – ich bin mir ziemlich sicher, dass sie es gelassen hätten und heute nicht mit verbissener Miene auf dem Fenstersims zwischen der Kastanienkuh Helga und dem Pastaklebebild „Sonnenblume“ Dartpfeile auf mein Porträtbild pfeffern würden.
Aber die naiven Stöckchen mit Lemmingmanier sind natürlich nur ein Vorgeschmack auf die richtigen Hürden gewesen. Quasi das Übungslevel, in dem man die Tastenkombinationen für seine Tritt-, Schieß- und Sprungtechniken austestet, bevor man ins richtige Spiel losgelassen wird.
Level 1: Engelchen und Teufelchen
Tatsächlich widmen sich die beiden sonst so stolzen und selbsternannten “Dr. ev. kat. bud. etc. Moralprofis” in Zeiten von akuter Langeweile auch der profanen Aufgabe der Evolutionunterstützung. Hätten sie das mal lieber den Fachspezialisten überlassen! Dann würde Amors Pfeil heute in den butterweichen Zuckergussherzen ihrer jeweiligen favorisierten Liebesgespielen stecken und bis ans Ende ihrer aller Tage Rosa-Glitzer-Einhornhormone ausströmen.
Aber nein – stattdessen haben Engelchen und Teufelchen lieber mitmischen wollen und sich mit ihrem ständigen Wenn-Dann-Aber-ICHICHICH-Generve auf ihren Premiumplätzen meiner Schultern zum leichten Ziel gemacht. Zack – ist erst der eine, Zack – und schon der andere dank Amors Pfeilen an die hinter mir liegende Zimmerwand getackert worden und geben seither eine hübsche Wanddeko über dem Klavier ab.
Kann ja auch mal vorteilhaft sein, wenn einem Amor noch ein paar Gefallen schuldet.
Level 2: Die Heinzelmännchen
Also ehrlich gesagt kenne ich ja niemanden, der mit seinen Heinzelmännchen auch nur annähernd zufrieden ist. Ich hatte Auftrag für Auftrag in der festen Überzeugung rausgeschickt, dass sich schnellstmöglichst – in Heinzelmännisch also „über Nacht“ – drum gekümmert wird. Aber stattdessen stapelten sich die Auftragszettel unangetastet im Heinzelmännchenablagefach und mimten einen Staubflunsel-Massenschlafplatz. Eines Nachts bin ich auf die Suche gegangen um herauszufinden, warum die Faulpelze denn so gar nichts mehr erledigen: da sah ich die ollen Saufnasen doch tatsächlich unterm Sofa im halbkomatösen Zustand um die Wette meiern! Sabotage feinster Art, sag ich da nur. Mir blieb nichts anderes übrig, als allesamt fristlos zu entlassen. Mein Glück, dass Heinzelmännchen so üble Bürokratiefanatiker sind, an die Klausel, die Alkohol am Arbeitsplatz ausschließt, hatte ich zum Glück vor Vertragsschluss gedacht. Alle sind ohne Murren abgezogen.
Level 3, Final Level: Der innere Schweinehund
Ich war schon weit gekommen, aber der Endgegner, Mr. Big Boss persönlich, wartete ja noch auf mich: der innere Schweinehund!
Es gibt keine verlässlichen Aussagen über sein Aussehen, da ihn wegen seines lichtscheuen und hinterlistigen Wesens noch niemand zu Gesicht bekommen hat. Ich bin allerdings der festen Überzeugung, dass er wie der Gott in Southpark aussehen muss (Link: …ach, googelt doch selber), etwaige Anmerkungen zu inhaltlichen Taktlosigkeiten werden an dieser Stelle ignoriert, Beschwerden bitte an mail@southpark.de.
Doch wo finde ich jetzt dieses blöde Vieh? Bis an die lackierten Fußnägel bewaffnet lieferten bisher weder Metalldetektor, Wünschelrute, Geigerzähler, Nachtsichtgerät noch Infrarotkamera verwertbare Hinweise auf den Aufenthaltsort dieser Kreatur.
Es wird doch nicht..?
Na klar!
Das feige Ding hat sich aus dem Staub gemacht, als es gesehen hat, wie schnell ich ihm auf die Pelle gerückt bin! Ging ja für einen Vollprofi wie mich auch kinderleicht und gleichzeitig hab ich neues Blogfutter geschaffen. Nun noch schnell ein neues Layout bas…
“Huch?”
Danke, für ein Grinsen, dass an diesem verregneten, saubüdel, mistgabelreifen Tag in der Lage ist mir den nötigen Sonnenschein zu ersetzen. Wenig Schlaf, die Augen kaum geöffnet, aber mit; ungewöhnlich und überraschend wachem Geist sog ich die vorrangegangenen Zeilen auf und bin überrascht, dass mein Kopf an diesem Sonntagmorgen zu diesem fast schon feisten Grinsen in der Lage ist. Danke, liebe Authorin für diese erschreckende Erfahrung mit meinem Spiegelbild…. Weiter so!
ick freu mir