Victoria Peak, Hongkong Island

Ohne Fleiß keinen Preis – das hat die Natur den Hongkong-Chinesen wohl mit der Muttermilch eingeflößt. Solche Gegensätze in unmittelbarer Nähe miteinander zu vereinen, davon versuchen selbst die Macher von Frauentausch und Big Brother in ihren schlaflosen Nächten zu träumen.

Wie auch schon bei dem Ausflug zum Big Buddha auf Lantau Island, kann man den Victoria Peak nicht nur schnöde mit dem Bus hinauf fahren, sondern die recht extravagante Peak Tram benutzen, die ziemlich zielstrebig den kürzesten Weg zum Gipfel nimmt und die – genauso wie die Seilbahn auf Lantau Island – einem das Gefühl gibt, sich das Ziel verdient zu haben.

Was unten an der Station noch relativ harmlos aussieht, ist von innen durchaus ein wenig beängstigend und fühlt sich auch nicht minder abstrakt an. Das dünne Stahlseilchen vor Augen, das die Bahn gefühlt fast senkrecht den Berg hinaufzieht, möchte man dabei vorher auch nicht nach dem Alter gefragt haben. Seit 1888 kann man über diesen Weg den Berg erklimmen – hoffentlich nicht mit demselben Seil…

Oben angekommen wird man allerdings mit einem grandiosen Blick über Hongkong Island und Kowloon belohnt, wenn nicht gerade, wie bei mir, eine durchgängig trübe Sicht das Fotoergebnis beeinträchtigt.

Das den Bildrand zierende Grün lässt erahnen, dass es hinter der dichtgetackerten Skyline tatsächlich noch Natur gibt. Allerdings wird es einem verhältnismäßig schwer gemacht, diese auch zu erreichen. Selbst den Ausgang aus der zum Gastro- und Souvenirtempel ausgebauten Tram-Station hatten wir erst nach ein paar unfreiwilligen Rolltreppen-Extra-Runden gefunden.

Wieder unten angekommen, lassen sich die Gebäude der neuen und nicht mehr ganz so neuen Architektur auch aus der Nähe betrachten, z.B.:

Das Gebäude der Bank of China (1992) von I.M. Pei. Damals ist das Gebäude wegen der fengshui-feindlich kantigen Geometrie wohl nicht besonders gut angenommen worden, heute ist es eins der Aushängeschilder der Hongkonger Skyline.

Mindestens genauso bekannt ist das Gebäude der HSBC – Hongkong and Shanghai Banking Corporation von Sir Norman Foster. Damals (1985) ein grandioses Beispiel eines außen sitzenden Tragwerks und heutzutage auch immer noch bekannt, aber nicht mehr wirklich eindrucksvoll im aktuellen Vergleich zu anderen Bauten.

Wer mehr Architektur sehen will, muss selber hinfliegen.

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