Tai-O und die weißen Delphine

Auf der ständigen Suche nach Erlebnissen, die unseren Hongkongaufenthalt möglichst kurzweilig erscheinen ließen hat man uns nach Abnahme eines Verschwiegenheitsblutschwurs den Geheimtipp Tai-O gegeben.

Vom Aussterben bedrohte weiße Delphine sollte es da zu sehen geben, das musste natürlich überprüft werden.

Tai-O ist ein kleiner Ort im Westen der Insel Lantau Island, den man komfortabel mit einer Fähre vom Hafen aus erreichen kann. Landschaftstechnisch verblüfft es einen nicht zum ersten Mal, dass man sich in so einer kurzen Zeit von Hightech-City zu einem Städtchen bewegen kann, in dem Strom und fließend Wasser dem Aussehen nach zu urteilen bestimmt das ein oder andere Mal im Jahr ausfallen.

Tai-O ist ein kleines Fischerdorf und exakt so sieht es auch aus. Die besten Zeiten, die eigentlich nie da waren, hat es lange hinter sich und irgendwie hat dort vor ein paar Jahrzehnten jemand die Zeit angehalten.

Die größtenteils aus Blech zusammengenieteten 4 Wände sind im Küstenbereich alle aufgeständert und man kann nur schwer glauben, dass in diesen Hütten das ganze Jahr über jemand wohnt.

Nicht verwunderlich, dass man bei so einem Anblick lieber die Nähe der Gebäude meidet – nur der nächste Windhauch weiß, wie lange sich die gewagte Konstruktion noch hält.

Nachdem dann auch sehr unschwer die Touristenanlaufstelle gefunden war, konnte es losgehen. Mit diesem, zum Glück modern genug aussehenden Bötchen hat man sich dann auch in die Hände eines vertrauenswürdigen Skippers begeben. Der Andrang war überschaubar – wir waren die einzigen Gäste.

Doch Obacht! Man sollte sich nicht von der barkassenähnlichen Optik des Vehikels täuschen lassen. Die erwartete Geschwindigkeitsgrenze lag nur ungefähr bei einem Drittel der tatsächlich erreichten Geschwindigkeit, was dem gerade erworbenen Vertrauen wieder erhebliche Einbußen brachte.

Nach ein paar Minuten war das Objekt der Begierde dann auch schnell gefunden: die Fischerboote, die das Dörfchen noch gerade so am Leben erhielten, taten selbiges wohl mit den weißen Delphinen. Diese verfolgten die fischenden Boote, wir verfolgten die den fischenden Booten folgenden Delphinen.

Und tatsächlich: ab und zu haben wir welche gesehen.

Ein fotografische Meisterleistung ist der folgende Beweis dazu:

Ok.

Zugegeben.

Dass das Vieh weißer als seine ordinären Artgenossen ist und es nur noch wenige Exemplare und angeblich auch nur ausschließlich in dieser Bucht des verschlafenen Kaffs geben soll, hätte ich bei einem Zufallsanblick vermutlich kaum erahnt.

Spektakulär ist etwas anderes, aber trotzdem konnte man zufrieden von dannen ziehen, war das Ausflugsziel doch ohne erwähnenswerte Zwischenfälle erreicht worden.

Bei dem anschließenden Rundgang über den Teil der Insel bestätigte sich der erste Eindruck: sehr einfacher Lebensstandard und nicht gerade das brummende Leben.

Öffentliche WCs sucht man nicht vergeblich, der Unterschied zur freien Natur ist allerdings nur marginal:

Ein paar kleine Tempelchen, einige aus dem bekannten “Do-it-youself-Temple-Starter-Kit-for-young-Tai-Os”:

“Festlandhäuser”:

…und nahezu sämtliche Läden sind voll mit diesem gelben Zeug. Vermutlich irgendein Fischprodukt, auf das Testen habe ich dann aber doch verzichtet. Nicht zuletzt, weil ich gar nicht gewusst hätte, was ich damit genau machen sollte.

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